Unkonventionelle Sitzung der „Woi-Geister“ im Kasteler Bürgerhaus

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von Axel Weiß
Foto: hbz/Judith Wallerius

KASTEL – „Eigentlich habe ich mit Fastnacht nichts am Hut“, sagt die Frau mit der Federboa im Haar, als sie die Treppe zum Sitzungssaal hinaufläuft. Doch dann braucht es nur einen fulminanten Auftakt, in dem unter anderem Lilienpalais-Betreiber und „Woi-Geist“ Harald Kauth dem Saal einheizt, ein Ballett, etwas Musik, den Einzug der Ranzengarde sowie die Anmoderation einer gut aufgelegten Woody Feldmann – und die Frau mit der Federboa im Haar tanzt wie viele andere auf ihrem Stuhl.

Nach der Premiere der „Woi-Geister“ im Vorjahr waren die Erwartungen an die zweite Sitzung des noch jungen Vereins (Gründung im Jahr 2014) im ausverkauften Kasteler Bürgerhaus hoch. Denn mit ihrer neuen Form, Sitzungen zu präsentieren, stieg auch das Interesse an den „Woi-Geistern“ rasant, was auch an der Stadt Mainz nicht vorbeiging: AKK-Beauftragter Horst Maus verlieh hinter den Kulissen in Vertretung von OB Michael Ebling an „Woi Geist“-Mitbegründer und Organisator Siegfried Kern den Herrenorden der Stadt.

„Halbe Stehung“

Doch lässt sich hier überhaupt von Sitzung sprechen? Eine Frage, die sich auch Woody Feldmann gleich zu Beginn stellte. „Es ist ja eigentlich keine Sitzung, sondern vielmehr eine halbe Stehung“, sagte Feldmann, die mit ihrer pointierten Moderation überzeugte: manchmal Stand-up-Comedy, manchmal einfach nur lustige Spontan-Blödeleien.

Feldmann hatte auch keine Scheu davor, sich in die Vorträge einzubringen. Dazu gehört Mut, besonders wenn Leute wie der „Begge Peder“, Andy Ost oder Ramon Chormann auf der Bühne stehen. Alle drei ließen sich jedoch bereitwillig darauf ein und demonstrierten mit viel Spontanität ihre Stärken abseits jeglicher Konzepte.

„Keine Sorge, es ist nur ein Klavier und kein Flügel. Für das, was ihr jetzt denkt, was ich vielleicht gleich tun werde, ist also zu wenig Platz“, sagte die Moderatorin und leitete zu Andy Ost über, der in seinem musikalischen Vortrag aus dem Leben mit seiner dreijährigen Tochter berichtete. Die Erfahrungen verarbeitete Ost mit den Liedern „Ich wollte keine Hüpfburg sein“ oder „Es gibt keine Langschläfer mehr“ auf die Melodien von Peter Maffay und Reinhard Mey.

Noch mehr Einfluss nahm die Moderatorin auf den Auftritt von Ramon Chormann, der vorher noch einen kleinen Unfall hatte. „Der nächste Mann kommt aus der Pfalz, und dass sein Auftritt gleich brandgefährlich wird, hat sich schon daran gezeigt, dass er nicht einmal zwei Treppen stolperfrei hinaufsteigen kann“, sagte Feldmann, die Chormann noch rechtzeitig auffangen konnte. „Sei froh, dass ich nicht der Messdiener Andreas Schmidt bin“, antwortete der „Pälzer“ darauf.

Chormann-Feldmann-Show

Was dann folgte, war eine Chormann-Feldmann-Show, die den Saal begeisterte. Nachdem Chormann sich erst über moderne TV-Formate ausließ und dann ein fast rührendes Loblied auf Paulchen Panther hielt, brachte Feldmann den aufgewühlten Chormann mit einer Flasche Cognac zur Räson. Die Folge war eine umwerfende, gemeinsame Darbietung von „Something stupid“ und „I did it my way“.

Danach verdunkelte sich der Saal und das Ballett „Glühwürmchen“ betrat die Bühne. Bei einer kreativen Leuchtshow tanzten neongrüne Hühner umher und lösten großes Staunen unter den Gästen aus. Samba-Klänge und Akrobatik bot das Ballett „Fuego“, dessen Paradiesvögel durch den Saal tanzten. Rustikaler präsentierte sich das Männerballett „Mann, oh Mann“, das als Pizzabäcker nicht nur den Teig, sondern auch seine Tänzer durch die Gegend fliegen ließ.

Nach dem Auftritt von Detlev Schönauer, der als Saarländer zum Rundumschlag gegen so manche regional bedingten Angewohnheiten ausholte, ging für Woody Feldmann ein Traum in Erfüllung. Gemeinsam durfte sie mit den Hofsängern ein Original-Hofsängerkostüm tragen und „So ein Tag, so wunderschön“ mitsingen. Die Liveband „Discover“ sorgte danach für eine rauschende Partynacht.